Poi

Einleitung

Es liegt im Interesse von FeuerVision, diese Texte weiterzuentwickeln und aktuell zu halten. Bei allgemeinen Fragen oder wertvollen Hinweisen freuen wir uns sehr über einen Kontakt. Detaillierte Fragen sind besser an die einschlägigen Online-Foren zu richten. Dort kann z.B. Dios von FeuerVision Rede und Antwort stehen. So können sich auch viele andere aktive und erfahrene Mitglieder verschiedener Artistik-Szenen einbringen.

Was ist Poi?

Ein Poi ist ein artistisches Gerät zum Poispielen in einer Grauzone ("grey area") der Jonglage. In Quellen über Māori-Poi werden Poi schlicht erklärt als Bälle an Schnüren, die in der Hand gehalten werden.
Handle (Handschlaufe, Fingerschlaufe, Griff) + String (Schnur, Seil, Kette) + Head = PoiEin Poi besteht v.a. aus dem Handle (Handschlaufe, Fingerschlaufe, Griff), dem String (Schnur, Seil, Kette) und dem Head (einem orbital geschwungenen Element). Die Heads können z.B. Tennisbälle sein oder etwas in ähnlicher Größe und wiegen ca. 80-120g. Mit Granulat, Erbsen o.ä. gefüllte kleine Säckchen sind auch üblich. Bei Schweif-Poi befindet sich daran noch ein Schweif aus Bändern oder ähnlichem.
Ein Poi hat vom Handle bis zur Unterseite des Heads eine meistens individuell angepasste Länge von etwa 30cm bis zu 70cm. Eine nicht repräsentative Umfrage unter Berliner Poispielern im Sommer 2010 ergab, dass die durchschnittliche individuelle Länge eines Poi bei 54,5cm liegt. Für den Anfang gilt als Faustregel für die optimale individuelle Länge der Abstand der Halte-Finger bis kurz vor der Achsel, damit die Heads der Poi beim Spielen noch bequem darunter hindurchschwingen können.

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Poispielen

Beim Schwingen der Poi nutzt der Artist die Fliehkraft ihrer Heads (Zentrifugalkraft) und lässt das Drehzentrum ständig seine Position verändern. Dabei hält er üblicherweise in jeder Hand das Handle eines Pois und kunstvoll verschlungene Kreisbewegungen erfreuen das Auge des Betrachters.
Geben die Poi-Heads Licht ab (z.B. bei Feuerpoi und LED-Poi, siehe Poi-Arten), werden die Bewegungen wegen der Licht- oder Feuerschweife besonders deutlich als lange Bahnen wahrgenommen. Auf Fotos mit etwas längerer Belichtunsgzeit kann man das sehr gut erkennen (siehe auch Lichtgalerie).

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Die Mehrzahl von "Poi"

Eine offiziell anerkannte Definition gibt es nicht. Schon seit Poi in der Welt bekannt wurden (siehe auch Jüngere Poi-Geschichte), gibt es die Diskussion, wie der Plural von Poi gebildet wird. Auf Māori lautet die Mehrzahl wie die Einzahl: "Poi". Um die Tradition der Māori zu ehren, behandeln viele deutsche und englische Artisten "Poi" ebenfalls wie ein Singularwort (sog. Singularetantum). Folglich bilden sie den Plural ohne "s", also "die Poi".
Die Mehrzahl mit "s", also "die Pois", wird erfahrungsgemäß allerdings auch sehr häufig verwendet. Man kann sicher nicht ausschließen, dass sie sich lange halten wird, denn sie dem Deutschen und auch dem Englischen ähnlicher.
Es sind also zwei Formen des Plurals bekannt, welche aktiv verwendet werden.

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Sprache

Die Bezeichnungen für viele Dinge rund um Poi, Artistik und Jonglage sind in einschlägigen Artistik-Szenen vorrangig auf englisch. Das geschieht der Einfachheit halber bei der häufig internationalen Verständigung und sicher im Zuge des Anglisierens der deutschen Sprache. Erfahrungsgemäß finden Bezeichnungen bei den Poi-Moves weniger häufig Konsenz, wenn sie auf deutsch sind.
Ein logisches Beispiel: Würden Poispieler in Deutschland bei einem neu entdeckten Poi-Move deutsche Bezeichnungen wählen, könnten sich unabhängig davon auf der internationalen Ebene leicht englische Bezeichnungen dafür entwickeln, die von den deutschen stark abweichen. Ein Beispiel dafür ist der deutsche Begriff "Verfolger", mit dem obendrein zwei verschiedene Poi-Moves gemeint sein können. Wenn wir dann aber einerseits von der "Weave" (engl. für "Weben", siehe auch Poi-Moves) reden oder andererseits von dem "Catch-the-Fish" (engl. für "Fang-den-Fisch"), weiß die Mehrheit der Poispieler genau, wovon die Rede ist.

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Alternative Bezeichnungen

Eine schweizer Firma vertreibt Poi unter dem Namen Kiwidos. Im Spanischen und Italienischen werden Poi vor allem Cariocas genannt. Folglich ist der Begriff des artistischen Spielgerätes "Poi" kein sprachlicher Internationalismus.
Spezielle Bezeichnungen verschiedener Poi sind unter Poi-Arten bildlich veranschaulicht aufgeführt. Es werden Gemeinsamkeiten und prägnante Unterschiede aufgezeigt.

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Poi-Moves - Bewegungen beim Poispielen

Die Bewegungen beim Poispielen unterteilt man in einzelne Moves (Move = engl. für Bewegung, bewegen). Weitere, weniger gebräuchliche Bezeichnungen hierfür sind Muster, Bewegungsablauf, Figur oder, ebenfalls dem Englischen entlehnt, Pattern bzw. Trick. Englisch-Muttersprachler sagen meist "poi move" oder "poi trick". Jeder Move ist einzeln erlernbar und kann im Normalfall direkt nacheinander wiederholt werden. Würde man die Bewegungen der Heads in der Luft nachzeichnen, erhielte man für die meisten Moves eine in sich geschlossene, meist abgerundete Form wie etwa bei den symbolischen Ringen des Saturn. Auf Fotos von gespielten LED- oder Feuer-Poi kann man das sehr gut erkennen (siehe Lichtgalerie). Ausnahmen stellen dabei Würfe dar oder besonders schwierige ("trickige") Moves, die z.B. sogar Rechtecke nachzeichnen können.
Es gibt theoretisch eine unendliche Anzahl an Moves und es werden auch ständig neue entdeckt. Beispiele für einfache klassische Moves sind der "Butterfly", der "Buzzsaw" (deutsch z.B. die "Kreissäge") und die "Weave" (deutsch z.B. die "Welle" oder der "Verfolger", siehe auch Sprache). "To weave" bedeutet allerdings "weben". Die geläufigste Herleitung für die letzte Move-Bezeichnung liegt in dem Vergleich der Bewegung der Spielhände mit der des sog. Weberschiffchens am Handwebstuhl.

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Poi-Move-Familien

Poi-Moves werden gebräuchlicherweise über den Begriff Move-Familien klassifiziert. Bei den Move-Familien geht man von auffälligen Gemeinsamkeiten aus. Gemeinsamkeiten können z.B. die im Geiste nachgezeichnete Form der Moves (z.B. bei den "Flowers" oder den "Triquetras"), der Position des Drehzentrums (z.B. bei den "Isolations") oder nach dem zuerst entdeckten Move benannt sein, der dieser Familie angehört (z.B. bei den Buzzsaws). Es gibt aber auch unzählige Überschneidungen und Movekombinationen. Daher können Moves oft mehreren Familien zugehören, was eine Unterscheidung in Familien nicht immer einfach macht.
Weitere Beispiele für Move-Familien sind Hybrids (Hybride), Throws (Würfe) oder Stalls (Stops).

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Andere Spielweisen

Einleitung

Zum Begriff siehe auch Einleitung. Die folgenden "Spielweisen" sind noch relativ neu und für unsere Oberkategorie hat sich bislang noch kein Name etabliert. Da sich schon einmal ein kreativer Ansatz durchgesetzt hat, sei an dieser Stelle ein weiterer vorgeschlagen: Angelehnt an das geflügelte Wort "Art und Weise" haben wir jetzt "Poi-Art" und "Spiel-Weise" (siehe "Poi-Art" als Metapher).

Partner-Poi

Etwa 2008 wurde Partner-Poi bekannt. Hierbei vollbringen mindestens zwei Spieler einzelne Moves gemeinsam, während ihre Arme und Poi sich in- und umeinander bewegen. Das bedeutet, die jeweiligen Moves setzen sich aus den Poi und Bewegungen von mehr als einem Spieler zusammen. Durch Partner-Poi ist eine weitere Dimension des Spielens entstanden, die beim Zuschauer eine völlig andere Wirkung als die von Einzelspielern erzeugt.

Contact-Poi

Contact-Poi wurde in Europa Ende 2009 durch den international bekannten irischen Poi-Künstler Ronan publik. Die dafür fast obligatorische Poi-Art wird ebenfalls Contact-Poi genannt. Der geschickte Künstler kann das Spielen von Contact Balls und Poi miteinander kombinieren. So kann Poispielen gleichzeitig zu Kontakt-Jonglage werden.

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Spieltechnische X-Over-Skills

Interessant ist, dass die Bewegungen beim Poi-Schwingen eine hervorragende Ergänzung zu anderen Bewegungsabläufen sind. Das kann bei anderen artistischen Formen, wie z.B. das Keulenschwingen, Stabdrehen (Staff) oder Doppelstab (Double Staff) der Fall sein. Erfahrungen zeigen auch, dass Bewegungen im Kampfsport, z.B. beim Nunchaku oder Stockkampf, schneller erlernt werden, wenn man ein geübter Poispieler ist und umgekehrt.
Nick Woolsey, ein international bekannter Poi-Virtuose aus Kanada, trainierte und praktizierte jahrelang Tai-Chi, Yoga und Dance und entwickelte daraus seinen eigenen Stil beim Poispielen. Für ihn finden sich vor allem beim Tai-Chi die flüssigen, natürlichen und präzisen Bewegungen, das Timing, die Symmetrie und die Körperkoordination wieder.

Es gibt auch sehr viele darstellerische Überkreuz-Fertigkeiten. Das kann das gesamte Repertoire an Künsten sein, die ein Bühnenteam zu bieten hat wie Schaupielerei, Comedy, Tanz, Akrobatik, Publikumsinteraktion, Musik oder Requisiten. Siehe dazu auch Poi-Irrtum "Spieltechnisches Niveau".

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Poispielen und Jonglage

Poi-Spielen, -Jonglage, -Spinning oder -Schwingen?

Es werden zwar alle Bezeichnungen aktiv in der deutschen Sprache verwendet, allerdings sind nicht alle von jedem anerkannt. In der Zeit um 2006 entstand u.a. der marktwirtschaftlich auch verwendete Begriff "Schwinglieren", der aber in einschlägigen Szenen nur geringen Anklang findet. Die Internet Juggling Database der "International Jugglers' Association" (IJA) und der "European Juggling Association" (EJA) nennt es auf deutsch "Poi-Schwingen".

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Ist Poispielen Jonglage?

Seit der Jahrtausendwende, als Poi erstmals begannen populärer zu werden, fragte man sich, ob das Poi-Schwingen überhaupt dem Jonglieren allgemein zuzuzählen ist. (Siehe auch Jüngere Poi-Geschichte.) Bis heute hat sich in mehreren Quellen zumindest im deutschsprachigen Internet bis heute keine einheitliche Meinung herausgebildet.
Was sagen die althergebrachten Jonglage-Organisationen? Sowohl die IJA als auch die EJA beziehen sich auf die britische Jonglier-Ikone Luke Burrage, welcher bereits mehrere Jonglage-Weltrekorde aufstellte. Nach einer Ausarbeitung von ihm aus dem Jahr 2005 lautet die einfachste, hergeleitete Faustregel für Jonglage in etwa:
"Jonglage ist, wenn man mehr Objekte wirft und wieder fängt, als man Hände dafür benutzt."
Dennoch gab er zu verstehen, dass Jonglage nicht unbedingt leicht zu definieren ist und stellte dazu eine Beispielliste auf. Darin spricht er bei den Poi und ebenfalls bei der Kontakt-Jonglage von einer Grauzone ("grey area"). (Siehe auch Contact-Poi.) In seinen Ausführungen über "Beliebte Formen der Jonglage" finden Poi überhaupt keine Erwähnung.
Zumindest diese Aussage kann man hier von Luke Burrage herleiten:
"Ob Poispielen Jonglage ist, kann ich nicht genau beurteilen, denn es ist nicht wirklich das, was wir tun."
Auf der Internet Juggling Database beziehen die Jongleure letztenendes konkret Stellung, indem sie das Poispielen (und auch die Kontakt-Jonglage) als "Non-juggling" klassifizieren. Möchte man den Jongleuren Glauben schenken, ist es also keine Jonglage.
Die uns bislang einzige dazu bekannte Ausnahme beim Poispielen ist der Artist Petey aus Irland. Er kann mit drei Poi spielen, indem er meistens einen Poi in der Luft behält. Damit ist er zweifellos Jongleur und Poispieler zur selben Zeit.

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Häufige Poi-Irrtümer

  1. Nunchaku: Poi sind verwandt mit der japanischen Waffe 'Nunchaku'.
    Die Bewegungsabläufe sind zum Teil tatsächlich sehr ähnlich. Es sind jedoch keine entwicklungsgeschichtlichen Parallélen bekannt.

  2. Morgenstern: "Poi sind verwandt mit der mittelalterlichen Waffe 'Morgenstern'."
    Die Bewegungsabläufe sind zum Teil tatsächlich sehr ähnlich. Es sind jedoch keine entwicklungsgeschichtlichen Parallélen bekannt.

  3. Jonglage: "Poispielen ist (eine Form der) Jonglage."
    Auf der international von Jonglier-Organisationen anerkannten "Internet Juggling Database" werden Poi seit jeher als "Non-juggling" klassifiziert. (Siehe auch Ist Poispielen Jonglage?)

  4. Intelligenz: "Poispielen macht intelligenter."
    Poispielen kann zweifellos großen Spaß machen, soziale Kontakte fördern und generell viele persönliche Vorteile und Erfolgserlebnisse mit sich bringen. Aus der Wissenschaft gibt es jedoch keinen expliziten empirischen Beweis dafür, dass es den Intellligenz-Quotienten erhöht.

  5. Spieltechnisches Niveau: "Für das Poispielen ist es am wichtigsten, besonders viele und möglichst komplizierte Moves zu lernen."
    Eine Poi-Performance, in der ausschließlich ein komplizierter Move nach dem anderen gespielt wird, kann äußerst interessant und sehr abwechslungsreich sein. Das ist zweifellos eine respektable Leistung aber nur ein Kriterium von vielen. Einerseits können oft nur Fachleute - also die Spieler selbst - die schwierigen Tricks von den einfacheren unterscheiden. Das ist wirklich so. Andererseits besteht Poispielen nicht nur aus Tricks. Poispielen kann auch tanzen sein, Publikumsinteraktion, Unterhaltung, Slapstick, Abwechslungsreichtum an Bewegungen und vieles mehr. Eine gute Show mit Poi kann aus so vielen verschiedenen darstellerischen Elementen bestehen, dass die Moves und deren Schwierigkeitsgrad sogar völlig in den Hintergrund rücken. Dennoch ist es Poispielen und kann für Spaß und Unterhaltung sorgen - für ein eventuelles Publikum und auch für den Spieler allein. (Siehe auch Spieltechnische X-Over-Skills.)

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Dank an/ Quellen (Stand 2012-01-18):
Deutsch:
Englisch:

 


 

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